Erstaunliches über Schnegel

  Limax maximus
Großer oder Tigerschnegel (Limax maximus). Bild: Robert Nordsieck.
Von allen Schnecken leiden die Nacktschnecken allgemein unter einem sehr schlechten Ruf. Schuld ist vor allem die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris), die in ganz Europa in Ausbreitung begriffen ist und vielfach die einheimischen Wegschneckenarten verdrängt hat.

Zu einer ganz anderen Schneckengruppe gehören aber die oftmals auch als Egelschnecken bezeichneten Schnegel (Limacidae), die mit den Wegschnecken nur gemein haben, dass beide Schnecken sind und zu den Landlungenschnecken (Stylommatophora) gehören.

Vorwort.

Schnegel und Wegschnecke

Ansonsten könnten beide Gruppen unterschiedlicher nicht sein:

Paarung des Tigerschnegels   Nahaufnahme: Bildung der "Blume"  
Paarung des Tigerschnegels (Limax maximus). Bilder: Martina Eleveld.
 
Schnegel haben eine elegante, schlanke Körperform, oftmals mit einer schönen Tiger- oder Fleckenzeichnung. Am hinteren Drittel des Rückens weisen sie außerdem einen deutlichen Kiel auf. Außerdem befindet sich ihr Atemloch im hinteren Drittel des Mantelschildes (vgl. Bild rechts).

Schnegel und Wegschnecke.

Und am Wichtigsten: Schnegel sind im Allgemeinen nicht schädlich - im Gegenteil: Viele Arten fressen nicht nur Pilze und zerfallendes Pflanzenmaterial, sondern auch die Eier anderer Schneckenarten. Manche sogar, wie der Tigerschnegel (Limax maximus) schrecken außerdem nicht davor zurück, die berüchtigten Wegschnecken zumindest als Jungtiere anzugreifen und zu fressen.

Nachteilig für den Tigerschnegel ist jedoch, dass er sich deutlich langsamer vermehrt, als die Spanische Wegschnecke (ca. 200 Eier pro Gelege bei Limax maximus im Gegensatz zu bis zu 400 Eiern, möglicherweise mehrmals im Jahr, bei Arion vulgaris). Überdies sind die Wegschnecken außerdem durchaus wehrhaft und können ebenso einen Schnegel angreifen. Auch dass der Tigerschnegel, im Gegensatz zur Wegschnecke, mehrjährig ist wird deutlich dadurch relativiert, dass oftmals mehrere Generationen von Wegschnecken die heute eher milden Winter Mitteleuropas überleben.

Die Paarung des Tigerschnegels

Bekannt ist der Tigerschnegel außerdem für seine ungewohnt artistische Paarungsmethode (Bilder links): Anders als andere Schnecken paart er sich freihängend von einem selbst hergestellten Schleimseil, ein Vorgang den man mit etwas Glück im späten Juni in der Nacht beobachten kann und der selbst Aufnahme in David Attenboroughs Dokumentarserie "Das Leben im Verborgenen" gefunden hat.

Mehr über den Tigerschnegel (Limax maximus).
Die Paarung des Tigerschnegels (Limax maximus): Auch als Playlist auf dem Youtube-Kanal von Weichtiere.at!

Schwarz oder Tiger?

  Limax maximus
Tigerschnegel (Limax maximus).
  Limax cinereoniger
Schwarzer Schnegel (Limax cinereoniger).
Bilder: Robert Nordsieck.
Die beiden größten einheimischen Schnegelarten sind der Schwarze Schnegel (Limax cinereoniger) und der bereits erwähnte Tigerschnegel (Limax maximus). Der Schwarze Schnegel einerseits ist die größte europäische Landschnecke und kann bis 20 cm Körperlänge erreichen. Man erkennt ihn an dem weißen Kielstrich, der schwarz-weiß-schwarz längs gestreiften Fußsohle, und daran, dass sein Mantelschild immer einfarbig ist. Dies ist insofern bedeutend, da der Schwarze Schnegel trotz seines Namens ein sehr variables Aussehen haben kann. Es gibt schwarze, geänderte und sehr helle Formen, sogar rote Exemplare wurden schon beobachtet. Der Schwarze Schnegel lebt vorwiegend im Wald, wo er Pilze, Algen und verrotendes Holz frisst.

Der Tigerschnegel hingegen ist ein Kulturfolger, d.h. er lebt im vom Menschen geformten Habitaten, wie Gärten und Parks, auch wenn er ebenfalls ursprünglich eine Waldart war. Er wird nicht annähernd so groß wie der Schwarze Schnegel, im Allgemeinen höchstens 15 cm lang. Im Gegensatz zu Limax cinereoniger ist bei Limax maximus der Mantelschild immer gefleckt oder gestreift. Die Fußsohle ist einfarbig cremefarben und es fehlt der weiße Kielstrich. Wie bereits erwähnt, frisst der Tigerschnegel meistens Pilze und verrotendes Pflanzenmaterial, wird aber durchaus auch Schneckengelege und Jungtiere anderer Nacktschnecken fressen, besonders wenn das Nahrungangebot rar ist.

Vergleich Tigerschnegel und Schwarzer Schnegel.

Andere Schnegelarten

Neben den bekannten großen Arten, neben dem Tigerschnegel vor allem dem Schwarzen Schnegel (Limax cinereoniger), der größten europäischen Landschnecke mit bis über 20 cm Körperlänge, gibt es auch zahlreiche kleinere Arten, wie den Baumschnegel (Lehmannia marginata), den Pilzschnegel (Malacolimax tenellus) und den Bierschnegel (Limacus flavus).

Spezielle Darstellung einheimischer Schnegelarten.

Schnegel leiden aber dennoch unter der Verfolgung und dem Unverständnis derer, die sie nicht kennen und sie mit schädlichen Nacktschnecken verwechseln. Daher ist es das Ziel dieser Homepage, Ihnen diese faszinierende Gruppe näher zubringen und Interesse zu wecken für eine Welt, die sich gerade bei den Schnegeln oft im Verborgenen abspielt.

Links

Literatur

 

Dank geht an...




Die lebende Welt der Weichtiere
Die lebende Welt der Weichtiere von Robert Nordsieck
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Youtube Der Youtube-Kanal von Weichtiere.at mit zahlreichen Videoclips zum Anschauen!


 Tigerschnegel (Limax maximus) Zwei Tigerschnegel verfolgen einander. Wegschnecke greift vorbei kriechenden Schnegel an.
Neu: Die Seite über Tigerschnegel (Limax maximus) wurde komplett überarbeitet  und mit zahlreichen neuen Bildern von Martina Eleveld,
besonders über de Paarung des Tigerschnegels, versehen, zusätzlich zu einer neuen Video-Playlist zum selben Thema auf unserem YouTube-Kanal!



Das neue Naturforum: https://das-neue-naturforum.de.


Erste Vorarlberger Malakologische Gesellschaft
Erste Vorarlberger Malakologische Gesellschaft: Das Zentrum der österreichischen Schnegel-Forschung.

Mollusca.de

NABU
Weichtiere beim Naturschutzbund Deutschland (NABU)

 

Letzte Änderung: 22.10.2025 (Robert Nordsieck).